Science Fiction ist heute: Die Future Media Technologies @ Interlake

Computer, die ihre Displays verlassen, begehbare Filme – Wo gibt’s denn so was? Mit Sven Slazenger, Geschäftsführer Interlake, Gründungsmitglied des VR Vereins Berlin Brandenburg, aktiver Unternehmer im MediaTech Hub Potsdam, sprachen wir über digitale Fremdenführer, holographische Guides für das Porsche Museum, dem herrlich unkomplizierten Brandenburg, frischen Zitronen und Vitamin P.

Future Media Technologies @ Interlake: Welche Technologien sind bei Ihnen bereits heute Standard? In welchen Bereichen ist Interlake Marktführer? Trendsetter?

Sven Slazenger: Mit der Interlake sind wir ja inzwischen seit über 20 Jahren so eine Art digitaler Fremdenführer. Angefangen hat das Ende der 90er Jahre in der damaligen Internetmetropole München mit der Planung und dem Betrieb von allem was kompliziert war und online laufen sollte: Große Websites wie die von McDonald’s, sichere Anwendungen, Video Streaming von großen Konzerten, auch zu der Zeit schon hauptsächlich für große Unternehmen. Damals haben wir auch angefangen, uns Abläufe und Prozesse bei unseren Kunden anzusehen und diese ins Digitale zu übersetzen und effizienter zu machen. Mit dem Wechsel aufs Gelände des Studio Babelsberg, der 2008 begann, haben wir uns dann immer mehr um die Schnittstelle zwischen IT Prozessen und Medien gekümmert, wobei Medien bei uns nicht jemand mit einer Antenne auf dem Dach ist, der Menschen zu Hause unterhält. Viel interessanter sind die neuen Sender, unsere Industriekunden wie Bayer oder Zeiss. Die erreichen mit unserer Technologie ihre zigtausend Mitarbeiter in vielen Ländern, Zeitzonen und Sprachen mit interaktiven Inhalten wie E-Learning und vielem mehr. Aber auch bei den klassischen Medien können wir für Effizienz sorgen. In diesem Jahr haben wir 100 Jahre UFA Archiv in die Cloud gezogen und besser verwertbar gemacht. Und dann sind wir auch noch ein wenig in der Zukunft unterwegs und versuchen herauszufinden, welche Technologien und Wissen es braucht, um eine Welt zu bedienen, in der der Computer zunehmend das Display verlässt und unsere Realität digital anreichert. Mit der Metropolis VR zusammen haben wir beispielsweise einen holographischen Guide fürs Porsche Museum gebaut. Wer weiß, vielleicht ersetzt so etwas demnächst die Audio Guides. Hier am Standort arbeiten wir gerade mit einigen Partnern daran, ein Studio für die Produktion von begehbarem Film zu bauen. Wenn ich mir das so alles ansehe, bleiben wir glaub noch ziemlich lange digitaler Fremdenführer irgendwo zwischen Medien und Technologie.

Anfang Oktober präsentierte sich der MediaTech Hub Potsdam im Rahmen einer Delegationsreise des Landes Brandenburg in London. Vier Potsdamer Unternehmen waren dabei, auch Interlake. Warum ist London für Potsdam, für Interlake interessant? Welcher Wert hat für Sie die Vernetzung im MediaTech Hub und auf Unternehmensreisen?

Sven Slazenger: Wir arbeiten mit einigen anderen Initiatoren inzwischen ja schon seit mehreren Jahren an dem was dieses Jahr vom Bund als der Digital Hub für MediaTech in Deutschland ausgezeichnet wurde. Das tolle daran ist ja, dass jeder hier in Potsdam schon mit dabei ist, nur dadurch, dass er da ist und das geballte Know-How des ganzen MediaTech Hub bei Kunden mit im Rücken hat. Das ist ein enormes Qualitäts- und Vertrauenssiegel, unser Vitamin P, wenn Sie so wollen. Gerade hier in Babelsberg haben wir eine unglaublich gute Kombination aus über 100 Unternehmen auf einem Quadratkilometer, die eine wunderbare Verknüpfung aller Disziplinen für die neuen und die alten Medien bereitstellen, samt den guten Unis in der Nachbarschaft. Man merkt auch schon die ersten Effekte, neue Büros werden gebaut und sind sofort vermietet, neue Technologien kommen an den Standort und die Industrie schaut viel öfters in der Medienstadt vorbei.

Wir sind mit der Interlake auch praktisch ständig „On Tour“, ich war im letzten Jahr allein fünfmal in den USA und wir sind vor allem mit unserem Partner Microsoft und auch unseren E-Learning Themen viel auf Veranstaltungen unterwegs – immer auch das Thema MediaTech Hub im Gepäck. Einer der Höhepunkte im Herbst war sicher die Delegationsreise des Landes Brandenburg nach London, wo wir auch den MediaTech Hub vorgestellt haben. Wir selbst sind schon sehr lange für Kunden in England tätig, noch effektiver finde ich bei diesen gefühlten „Klassenfahrten“ aber die Möglichkeit der informellen Verknüpfung zwischen den Delegationsteilnehmern. Besonders abends an der Bar im Hotel entsteht eine ganz andere Ebene, auf der man sich viel direkter unterhalten kann. Da kommt eigentlich auch immer was dabei heraus.

Upcoming Events: MediaTech Hub Potsdam Lunch und Matchmaking@CTPiX17. Welche Erwartungen haben Sie für Ihr Unternehmen von der Tech Konferenz Changing the Picture und dem MTPH Lunch am 9. November?

Sven Slazenger: Dass der MediaTech Hub der richtige Schritt war, um eine ohnehin stattfindende Bewegung unter einem Dach zu bündeln zeigen auch die vielen guten Veranstaltungen in Potsdam. Seit einigen Jahren haben wir hier die international besetzte Changing The Picture Konferenz für den Wandel der Medientechnologie. Dieses Jahr sind übrigens auch Interlake und der MediaTech Hub dort zu Gast und stellen vor, was wir hier alle machen. Dann haben wir den VR Verein Berlin Brandenburg, über den wir bei Interlake inzwischen auch mehrere Industriekontakte bekommen haben. Der VRBB organisiert die ebenfalls internationale VRNowCon in diesem Jahr zum zweiten Mal. In diesem Jahr war auch die bekannte eLearning Summit Roadshow erstmals in Potsdam zu Gast. D.Con Festival, der Medientreff im Sommer und vieles mehr runden die Sache ab. Selbst unsere 20 Jahre Interlake Feier mit interdisziplinärem Konferenzprogramm kam so gut an, dass wir den Interlake Day nun jedes Jahr als Kongressveranstaltung durchführen wollen. So langsam ist dann eher die Frage, wie wir die ganzen Kontakte nachverfolgen und die Projekte über die Bühne bringen. Ich freue mich auf jeden Fall auf die nächsten Jahre, gerade hier in Brandenburg, wo alles so herrlich unkompliziert, frisch und zugänglich ist und sich die Dinge bewegen. Das war in München schon deutlich verkrusteter. Und nur wo sich etwas bewegt, kann Neues entstehen!