Künstliche Intelligenz aus Potsdam soll der Polizei bei der Verbrecherjagd helfen

Bild © Multicast Media. Robert Förster von Multicast Media im Interview bei Startup TV auf der IFA in Berlin

Stellen Sie sich vor, Sie arbeiten bei der Polizei und müssen Kinderpornografie auf beschlagnahmten Computern sichten. Ihre Aufgabe lautet: Taucht ein Kind in mehreren Filmen auf? In wie vielen Filmen ist ein bestimmter Täter zu sehen? Wie viele Filme stammen von einem gewissen Ort? Stundenlang sehen Sie die Aufnahmen. Die grausamen Bilder lassen Sie nicht mehr los. Die gute Nachricht: Diese Aufgabe dürfte bald der Vergangenheit angehören.

Die Software des Potsdamer KI-Startups Multicast Media GmbH erkennt mit Hilfe von Künstlicher Intelligenz Stimmen, Personen und Gegenstände. Menschen, Gegenstände und Orte, die mehrmals vorkommen, werden referenziert. Multicast Media will jetzt mit mehreren Behörden in sogenannte Pilotprojekte starten. Die Technologie soll vor allem die Effizienz steigern. Sie analysiert Tonaufnahmen, zum Beispiel Audio-Sprachnachrichten. Hier helfen Machine Learning und Deep Learning aus tausenden dieser Audio-Nachrichten die wenigen relevanten zu finden, um beispielsweise Drogenhändler und ihre speziellen Schlüsselwörter zu entlarven. Ein Mensch wäre wochenlang damit beschäftigt, die „Maschine“ durchsucht die Dateien in einem Bruchteil der Zeit. Auch das Hauptzollamt Potsdam will daher künftig die Software nutzen, um die zur Verfügung stehenden Ressourcen noch effektiver zu nutzen, zunächst in einer Testphase.

Wichtig dabei: Die Technologie wird direkt in der Behörde, also „on premise“, installiert, so dass garantiert ist, dass niemand von außen Zugriff hat. Dieser DSGVO-konforme Schutz der Daten ist eines der wichtigsten Alleinstellungsmerkmale des Startups. Wer die Software nur einmalig oder selten braucht, hat alternativ die Möglichkeit, via Private Cloud zuzugreifen. Auch das ist eine DSGVO-konforme Variante.

Ufa-Serien werden international mit Potsdamer KI-Technologie

Künstliche Intelligenz ist derzeit eines der meistdiskutierten Themen. Es geht um eine Technologie, die uns Menschen dabei helfen soll, effizienter und produktiver arbeiten zu können, die eintönige Arbeiten viel schneller erledigt und Unternehmen die Möglichkeit gibt, ihren Markt zu erweitern. Besonders im Medien-Sektor spielt KI-Technologie eine entscheidende Rolle. Das Mediennutzungsverhalten verändert sich seit einiger Zeit sehr und wird es weiter tun. Es wird immer individueller. Plattformen wie Spotify, Netflix und Co. erlauben es Inhalte „on demand“, also zeitunabhängig zu konsumieren und das auf unterschiedlichen Endgeräten. Das setzt voraus, dass die täglich produzierten Inhalte auffindbar und referenzierbar sind. Genau das kann die in Potsdam entwickelte Technologie.

Die Multicast Media Software wandelt gesprochenes Wort in Text um. Im Netz sind nur Textdateien über die Suchfunktion auffindbar. Ein Interview, eine Reportage, ein Podcast wird dadurch jetzt auffindbar, auch wenn man nach bestimmten Worten oder Zitaten sucht. Würde Angela Merkel in einem Interview etwa sagen, dass sie gerne Spaghetti kocht, würde das auch gleich Kategorien zugeordnet werden, z.B. Politik, Kochen, Italienische Küche. Das ist entscheidend, um ein Empfehlungs-Management anzulegen.

Das gesamte Potenzial der jungen Potsdamer Entwickler nutzt derzeit eines der ältesten Filmproduktion-Unternehmen der Welt, die UFA. Gemeinsam wollen sie die Distribution von Serien revolutionieren. Produktionen wie „GZSZ“, „Verbotene Liebe“ und „Alles was zählt“ hätten schon lange im Ausland Publikum gefunden. Bisher hat es sich finanziell aber nicht gelohnt, sie zu übersetzen. Mit der Technologie von Multicast Media lohnt sich die Übersetzung jetzt. Deshalb werden Episoden von UFA-Serien in mehrere Sprachen transformiert. Sie können dann mit Untertiteln in den jeweiligen Sprachen gezeigt werden. Alternativ kann der übersetzte Text von der Software auch in synthetische Stimmen umgewandelt werden. Auch am Erkennen von Emotionen wird gearbeitet.

Aktuelle Kunden der Potsdamer sind vor allem Radio- und TV-Stationen, sowie TV-Produktionen. Der Bayerische Rundfunk, BB RADIO und Radio TEDDY, Radio Energy, das Medienzentrum Berlin mit den Radiostationen 94,3 rs2, Berliner Rundfunk 91.4 und 98.8 KISS FM, außerdem Ströer und der TV-Sender sportdigital.

Von Eva Werner

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