Ohne Metadaten keine Reichweite – Mit einer KI-Software macht das Startup Fassoo Videocontent weltweit sichtbarer

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Bild © Chris Liverani

Das Internet ist voll mit Videocontent – auf Webseiten, Nachrichtenportalen, Social Media und Video-On-Demand Plattformen. Wieviel der täglichen Datenmenge das ausmacht, ist statistisch schwer zu belegen. Aber allein das Datenvolumen des Traffics von Internetvideos über Computer soll sich im Jahr 2021 auf 116.905 Petabytes pro Monat belaufen, so eine Prognose. Wie schafft man es als Unternehmen, einen Überblick darüber zu behalten, wo die eigene Marke überall auftaucht. Wie lassen sich aus der Masse der Daten Gewinne optimal verwerten? Wie ist man als Unternehmen sichtbar und macht Nutzer*innen auf sich aufmerksam?

In Potsdam arbeitet das Startup Fassoo mit seiner Metadaten-Software daran, Kund*innen aus dem Film- und TV-Bereich und Sportmarketing genau dafür intelligente Lösungen zu bieten. Ihre analytische Software hilft Unternehmen, Videoinhalte bestmöglich auszuspielen und zu monetarisieren. Das System basiert auf künstlicher Intelligenz. Schlüsselkomponenten sind zum Beispiel die automatische Erkennung von Personen, Logos, Objekten oder Interaktionen. Raffinierte Metadaten-Applikationen, die einem Suchergebnisse anzeigen, die über Titel- und Namenssuche hinausgehen, sind nicht nur für End-Konsument*innen von Filmen und Videos interessant. Die Technologie eröffnet hier eine Vielzahl an Möglichkeiten: Die Contentempfehlungen für Nutzer*innen auf VOD-Plattformen werden optimiert. Unternehmen können überprüfen, ob und wo ihre Markenlogos in Videos verwendet werden und inwiefern sie rechtlich geschützt sind. Ebenso ist es möglich, sensible Inhalte zu identifizieren, die eventuell geblockt werden müssen. Um hier die wachsende Masse und Vielfalt der Daten für die Unternehmen spezifisch aufzuschlüsseln, braucht es einen innovativen Ansatz und immer bessere Analysemethoden.

Gegründet 2018, startete Fassoo mit einem Fokus auf die Film- und TV-Branche, ist aber mittlerweile im Bereich von großen Sportevents verstärkt unterwegs. Der audiovisuelle Markt, auch der europäische mit seinen unterschiedlichen Sprachen und Kulturen, steht vor der Herausforderung, die eigenen Inhalte global auffindbar zu machen, während das Rezeptionsverhalten des internationalen Publikums sich ständig ändert und von unterschiedlichen Faktoren abhängig ist. „Einfach ausgedrückt arbeiten wir daran, europäischen Content sichtbarer zu machen“, sagt Fassoo-CEO und Gründer William Page. „Jeder einzelne Film hat Metadaten. Manche sind komplizierter. Es kann sich um Orte, um Gesichtsausdrücke, um Interaktionen handeln, die getrackt werden. Oder ganz simpel um Sprachen oder um bestimmte Genres.“ Ist ein Film mit den richtigen Metadaten gerastert, lässt er sich Nutzer*innen besser empfehlen, gezielter ausspielen und monetarisieren. Das ist für kommerzielle ebenso wie kulturelle Angebote in einem stetig wachsenden Markt und dem Überangebot der Video-on-Demand-Plattformen essentiell. Von der Europäischen Union hat Fassoo dazu eine Förderung der EU Creative Media bekommen, die die entscheidende Unterstützung darstellte, um die Software überhaupt zu entwickeln.

Für die Metadatenanlyse verwendet das Team automatisierte Prozesse bei denen künstliche Intelligenz zum Einsatz kommt. Ein Video brechen sie Stück für Stück in Key Frames herunter und analysieren es. Dazu liegen nach verschiedenen Parametern Modelle zugrunde, um die Automatisierung zu vereinfachen. „Die Metadaten-Modelle, die zugrunde liegen, können alles sein: Motive wie das Brandenburger Tor, Comedy-Elemente oder Gewaltszenen. Wir können modellieren, was benötigt wird.“, erläutert CEP Page die Herangehensweise.
Trotzdem: Aktuell, durch die Umstände der Pandemie, sei es nicht der ideale Zeitpunkt für Innovationen. Vieles werde zurückgestellt, manche Entwicklungen konservativer beäugt. Innovationsprozesse seien an mancher Stelle verlangsamt, so Page. Aktuell wachse dagegen der Kundenstamm im Bereich des Sportmarketings.

Bei Sportevents wie den Fußballspielen zählt jede Sekunde, die ein Sponsor im Bild ist. Gleichzeitig braucht es eine Kontrollinstanz, die den Unternehmen zurückspielt, wieviel Präsenz sie bekommen. Mithilfe der Metadaten lassen sich auch Sportskandale wie der Betrugsskandal rund um den Sportvermarkter Infront in Zukunft auf Unternehmensseite besser kontrollieren: Infront, eine Vermarktungsagentur für Bannerwerbung, hatte 30-sekündige Anzeigenplätze bei Spielen verkauft, dabei aber nur 29 Sekunden ausgespielt und die gewonnene Zeit als zusätzliche Werbeplätze verkauft. Der als „Sekundenklau“ bekannt gewordene Vorfall ging zu Lasten der Kunden. „Mit unserem Produkt wäre das nicht passiert. Wir können jedes einzelne Spiel nach solchen Faktoren rastern“, so Page.

Für die Unternehmen ist so der Return of Investment (ROI) besser nachvollziehbar. Mit Hilfe der Metadaten lässt sich die eigene Sichtbarkeit besser messen. Das sorgt im Sponsoring-Umfeld für effektiveren Einsatz der Werbung und ist bares Geld wert.

Einst in Berlin-Wedding gegründet, ist Fassoo als Startup Teil des MediaTech Hub Accelerators in Potsdam und hier Teil der ständig wachsenden Medientechnologie-Community.

Von Christine Lentz

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