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Post­pro­duk­ti­on 4.0

Wie Künst­li­che Intel­li­genz und Meta­da­ten die Film­wirt­schaft revolutioniert

Die Film­bran­che im 21. Jahr­hun­dert: Strea­ming-Anbie­ter sind all­ge­gen­wär­tig, Vir­tu­al Rea­li­ty hält über­all Ein­zug und Fil­me in 3D haben sprich­wört­lich neue Dimen­sio­nen erreicht. Schaut man sich aber die Arbeits­ab­läu­fe im Hin­ter­grund an, ist die Film­in­dus­trie noch lan­ge nicht im digi­ta­len Zeit­al­ter ange­kom­men. „Film muss als IT gedacht wer­den – was das angeht, steckt die Bran­che noch im letz­ten Jahr­hun­dert fest.“, sagt Hol­ger Leh­mann, Geschäfts­füh­rer von Rotor Film.
Die Pro­duk­ti­ons­fir­ma ist Exper­te für alle Post­pro­duk­ti­ons­schrit­te von der Dreh­be­glei­tung, über die Bild­ge­stal­tung und dem Sound­de­sign bis hin zum Film­mas­ter. Natio­nal und inter­na­tio­nal arbei­ten sie an Kino-Pro­duk­tio­nen wie “The Squa­re”, “Iron Sky 2” oder “Gun­der­mann” und für Strea­ming­por­ta­le wie Net­flix und Ama­zon Prime (“Deutsch­land 89” und “Bad Banks”). Aber neben der klas­si­schen Post­pro­duk­ti­on hat es sich Rotor Film zur Auf­ga­be gemacht, Post­pro­duk­ti­on für die Zukunft neu zu den­ken. „Dafür müss­ten die auf­wän­di­gen Pro­zes­se auto­ma­ti­siert wer­den, die bis­her fast manu­fak­tur­ar­tig und größ­ten­teils hän­disch ablau­fen.“, so Lehmann.

Nor­ma­ler­wei­se wird ein Film gedreht, geschnit­ten, in Bild und Ton bear­bei­tet und im Mas­ter zusam­men­ge­führt, dis­tri­bu­iert und aus­ge­wer­tet. Die Abfol­gen der Arbeits­schrit­te sind oft eine logis­ti­sche und zeit­li­che Her­aus­for­de­rung. Im inter­na­tio­na­len und auch natio­na­len Film­ge­schäft arbei­ten zur glei­chen Zeit an den unter­schied­lichs­ten Orten Leu­te dar­an, einen Film zu fina­li­sie­ren. Es kommt dabei zu zahl­rei­chen Abspra­chen zwi­schen Akteu­ren, teils in unter­schied­li­chen Län­dern. Die inhalt­li­che, krea­ti­ve Arbeit ist von den tech­ni­schen Bedin­gun­gen geprägt und umge­kehrt: Zum Bei­spiel wenn gro­ße Daten­men­gen über­mit­telt wer­den, Ton­ver­fah­ren und Farb­räu­me abge­stimmt wer­den und bei der End­ab­nah­me in letz­ter Minu­te noch Ände­run­gen gesche­hen sol­len. An die­ser Stel­le braucht es ein ver­ein­fach­tes kol­la­bo­ra­ti­ves Zusam­men­ar­bei­ten, bei der jeder Zugriff auf die glei­chen Daten hat. Die bis­he­ri­gen Pro­zes­se kos­ten viel Zeit und Res­sour­cen. Nun ist Zeit bekannt­lich Geld und Res­sour­cen wie Fach­kräf­te sind end­lich. Wie also lässt sich eine Post­pro­duk­ti­on 4.0 rea­li­sie­ren? Wel­che zusätz­li­chen Geschäfts­mo­del­le las­sen sich rund um daten­ge­trie­be­ne­re Struk­tu­ren gene­rie­ren? Genau dar­an arbei­tet Rotor Film im For­schungs­bünd­nis DWerft am Stand­ort in Babelsberg.

Eine gro­ße Rol­le spie­len hier die Meta­da­ten: Infor­ma­tio­nen, die bereits wäh­rend der Film­pro­duk­ti­on aber eben­so in der Dis­tri­bu­ti­on ansam­meln und im Film ver­an­kert wer­den. Es wird sozu­sa­gen eine tech­ni­sche Sub­li­ne hin­zu­ge­fügt, die hilft, bestimm­te Ele­men­te ein­zu­ord­nen oder schnell auf­find­bar zu machen. Denn: Je bes­ser ein Film mit Meta­da­ten ange­rei­chert ist, umso leich­ter ist er auf­find­bar und um so bes­ser ist er ver­wert­bar. Die Band­brei­te des­sen, wel­che Meta­da­ten genau in den Film inte­griert wer­den kön­nen, ist groß – ob tech­ni­sche Infor­ma­tio­nen, Aus­wer­tungs­in­for­ma­tio­nen oder inhalt­li­che Infor­ma­tio­nen. Im Ide­al­fall ver­net­zen und ver­bin­den die Daten alles rund um Pro­duk­ti­on, Post­pro­duk­ti­on, Dis­tri­bu­ti­on und Archi­vie­rung. „Die Meta­da­ten wer­den so zum “Treib­stoff” für Künst­li­che Intel­li­genz und not­wen­di­ge Vor­aus­set­zung.“, beschreibt Hol­ger Leh­mann deren Bedeu­tung. „Die Fra­ge ist doch: Wie kön­nen wir Meta­da­ten­ver­wen­dung wei­ter­den­ken? Ich könn­te Infor­ma­tio­nen über Zweit- oder Dritt­ver­wer­tung in ande­ren Län­dern spei­chern oder dar­über den opti­ma­len Erzähl­strang einer Roman­tic Come­dy ana­ly­sie­ren. Beson­de­re Dia­log­stel­len, Zusatz­in­for­ma­tio­nen zu Dreh­or­ten oder Musik­rech­ten sowie Sprach­fas­sun­gen las­sen sich gezielt kate­go­ri­sie­ren. Über Meta­da­ten schafft man außer­dem die Basis für eine glo­ba­le Con­tent-Daten­bank.“ Und das ist nur ein Teil der zukünf­ti­gen Möglichkeiten.

Klas­si­sche Meta­da­ten­mo­del­le rei­chen für sol­che Anwen­dungs­fäl­le nicht aus. Rotor Film arbei­tet des­halb an inno­va­ti­ven Metho­den, eine sol­che Daten­ver­wer­tung vom Dreh bis hin zu Dis­tri­bu­ti­on zu ermög­li­chen. Dazu ent­wi­ckeln sie Adap­ter und Plugins, die das umfang­rei­che Sam­meln und Abbil­den die­ser Daten und ihre strin­gen­te Über­mitt­lung ermög­li­chen. Denn neben den neu­en Geschäfts­mo­del­len geht es dar­um, ver­al­te­te Arbeits­wei­sen in neue digi­ta­len Work­flows zu über­füh­ren. Hand­werk­li­che Abfol­gen der Post­pro­duk­ti­on, wie etwa Noi­se Reduc­tion oder das Löschen von Anschluss­feh­lern im Bild könn­ten dann zukünf­tig mit Hil­fe Künst­li­cher Intel­li­genz auto­ma­ti­siert werden.

Hier liegt die Wert­schöp­fungs­ket­te, die Hol­ger Leh­mann bei Rotor Film zusam­men mit sei­nem Geschäfts­part­ner Mar­tin Früh­mor­gen vor­an­trei­ben möch­te: „Unse­re Visi­on ist es, einer der füh­ren­de Meta­da­ten­auf­be­rei­ter für das Bewegt­bild zu werden.“

Von Chris­ti­ne Lentz

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