Rotor Film Remixt Ber­li­na­le: Mar­tin Früh­mor­gen im Gespräch mit dem Media­Tech Hub Potsdam

Rotor Film ist Exper­te der Bild- und Ton­post­pro­duk­ti­on. Wel­che neu­en Ent­wick­lun­gen gibt es ins­be­son­de­re im SoundDesign? 

Mar­tin Früh­mor­gen: Ins­ge­samt wer­den die Anfor­de­run­gen an die Tech­nik und den inhalt­li­chen Umgang mit neu­en Tech­no­lo­gien immer anspruchs­vol­ler. Dol­by Atmos im Kino- und Home-Enter­tain­ment-Bereich hat es zwar nicht ein­fach, Regisseur*innen und Produzent*innen erken­nen aber immer mehr die Mög­lich­kei­ten, die die­se neue Tech­no­lo­gie inhalt­lich bie­tet, die dann auch in den Aus­wer­tun­gen in den unter­schied­li­chen Kanä­len umge­setzt wer­den kön­nen. Das­sel­be gilt im Bild für HDR-For­ma­te, wobei unklar ist, wel­ches For­mat (HDR10, HDR10+, Dol­by Visi­on) sich letzt­end­lich durch­set­zen wird. Ganz klar ist aber, dass vor allem Strea­ming­diens­te auf die­se Tech­no­lo­gien setzen.

Ist die Nach­be­ar­bei­tung von Ton, Musik, Spra­che inzwi­schen kom­plett digi­ta­li­siert oder exis­tiert noch ech­tes Handwerk?

Mar­tin Früh­mor­gen:  Wenn wir Besuch durch unse­re Stu­di­os füh­ren, ist immer eines der High­lights der Geräusche­ma­cher. Die­se Berufs­par­te ist im digi­ta­len Zeit­al­ter gefühlt wie aus der Zeit gefal­len. Der soge­nann­te Foley Artist erstellt wie Jahr­zehn­te davor in sprich­wört­li­cher Hand- und Fuß­ar­beit alle Geräu­sche, die etwas mit den Figu­ren auf der Lein­wand zu tun haben. Natür­lich gibt es auch Mög­lich­kei­ten mit­hil­fe von Sound­ar­chi­ven die­se Töne künst­lich hin­zu­zu­fü­gen, aber das Ein­füh­len des Geräusche­ma­chers in die Bewe­gungs­ab­läu­fe der Schauspieler*innen ist ein fes­ter und ein­zig­ar­ti­ger Bestand­teil der Ton­ge­stal­tung. Ich bin gespannt, ob und inwie­weit Auto­ma­ti­sie­rungs­pro­zes­se, die in ande­ren Berei­chen der Ton­post­pro­duk­ti­on schon längst Ein­zug gehal­ten haben, sich auch auf die­sen Bereich auswirken.

Beim Strea­men wird eine Fül­le von unter­schied­li­chen Daten über­mit­telt, nur ein Teil davon ent­spricht der alten Film- bzw. Ton­spur. Wel­che Daten emp­fan­ge ich noch? Haben die­se für mich als Zuschaue­rin einen Mehr­wert oder ver­lang­sa­men sie nur die Übertragung? 

Mar­tin Früh­mor­gen:  Ein gro­ßes The­ma sind Meta­da­ten, die vom Set über die Post­pro­duk­ti­on hin bis zum/​zur Konsument*in in die Bil­der und Töne ein­ge­bun­den sind. Dies kön­nen Infor­ma­tio­nen zum Copy­right, Dreh­ort oder zu bestimm­ten Aus­stat­tungs­ge­gen­stän­den sein. Der Zuschau­er könn­te sich dann bei­spiels­wei­se per Knopf­druck eine Rei­se zum ori­gi­na­len Dreh­ort buchen oder den gezeig­ten Gegen­stand bestel­len. Wich­ti­ger für unse­re täg­li­che Arbeit sind aller­dings Meta­da­ten, die eher tech­ni­scher Natur sind und die die Gewer­ke immer mehr auto­ma­ti­siert zusam­men­ar­bei­ten las­sen. Es geht am Ende dar­um, Arbeit, die auto­ma­ti­siert wer­den kann zu auto­ma­ti­sie­ren und die Krea­ti­ven wirk­lich krea­ti­ve Arbeit machen zu lassen.

Mit wel­chen von euch post­pro­du­zier­ten Fil­men seid ihr auf der Ber­li­na­le ver­tre­ten? Wel­che „Future Media Tech­no­lo­gies“ kamen dabei zum Einsatz?

Mar­tin Früh­mor­gen:  Im Wett­be­werb der dies­jäh­ri­gen Ber­li­na­le sind wir mit unse­rer Kopro­duk­ti­on „In den Gän­gen“ von Tho­mas Stu­ber ver­tre­ten, die bei uns und unse­rer Toch­ter­fir­ma in Leip­zig post­pro­du­ziert wur­de. Außer­dem läuft im „Ber­li­na­le Spe­cial“ Lars Krau­mes „Das Schwei­gen­de Klas­sen­zim­mer“, für den bei uns die Bild­post­pro­duk­ti­on gemacht wur­de. Schon seit eini­gen Jah­ren sieht und hört man den in Dol­by Atmos „remix­ten“ Ber­li­na­le-Trai­ler, auf den ich mich schon immer Mona­te im Vor­aus freue!
In der dies­jäh­ri­gen Lola-Rei­he, die auf der Ber­li­na­le gezeigt wird, sind wir mit ins­ge­samt 7 post­pro­du­zier­ten Fil­men dabei. Auch direkt nach der Ber­li­na­le geht es bei uns span­nend wei­ter: Mit Palme‑d’Or-Gewinner „The Squa­re“ von Ruben Öst­lund, des­sen Ton­mi­schung und Bild­post­pro­duk­ti­on Rotor über­nom­men hat, haben wir unse­re ers­te Oscar-Nomi­nie­rung für den bes­ten fremd­spra­chi­gen Film.

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Die Medientechnologien der Zukunft werden bereits heute angewendet – nicht nur im Entertainmentbereich sondern in den unterschiedlichsten Branchen. Für unseren MediaTech Hub Potsdam Blog spricht Christine Lentz einmal im Monat mit Tech-Enthusiast:innen, Unternehmer:innen und Forscher:innen und erzählt die Geschichten, die hinter ihren innovativen Geschäftsmodellen, Ideen, Projekten oder Kooperationen stecken.